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Den Himmel fest im Blick

Eine wissenschaftliche Biografie über den Astro-Optiker Bernhard Schmidt

Barbara Dufner

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Bernhard Schmidt ist wohl einer der bekanntesten Techniker und Entwickler im Bereich der modernen Astronomie. Kaum einem Amateur dürfte der Begriff des Schmidt-Teleskopes noch nicht über den Weg gelaufen sein. Aus der Kombination einer kompliziert gewölbten Linse mit einem Hohlspiegel entstand in den 30er-Jahren ein Weitwinkelteleskop mit bis dahin unbekannter Abbildungsleistung.

Diese Biografie porträtiert den Menschen Bernhard Schmidt, erklärt aber auch Entstehung und Funktion seiner Erfindung. Durch diese Kombination dürfte sie für viele Amateure interessant werden, da technische und historische Aspekte zu ihrem Recht kommen. In einer Zeit, die vom ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise geprägt war, gelang Schmidt ein technischer Durchbruch ersten Ranges in der Technik der astronomischen Geräte. Dieser Durchbruch hat lange Zeit die Beobachtung so weitgehend geprägt, dass am Ende der vorliegenden Biografie ein komplettes Kapitel ausschließlich den Folgen dieser Erfindung für die beobachtende Astronomie gewidmet ist.

Wie von einer Biografie zu erwarten, geht die Autorin streng chronologisch vor. Dabei hat sie beständig mit der schlechten Quellenlage zu kämpfen, da von Schmidt selber nur wenige Text offiziell publiziert wurden. Seine privaten Notizen und Aufzeichnungen sowie die Erinnerungen von Zeitzeugen bilden die Hauptquelle der Autorin. Gerade aus den Jahren, in denen Schmidt bereits als kompetenter Astronom anerkannt war, liegen Briefwechsel zwischen ihm und bekannten europäischen Astronomen vor.

Die astronomische Karriere, deren Höhepunkt das Schmidt-Teleskop war, wird in schöner Ausführlichkeit ausgebreitet. Beginnend mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Jugendzeit in Estland, der Studentenzeit in Sachsen während der er bereits begann, astronomische Spiegel zu schleifen. Noch vor dem ersten Weltkrieg gelang es ihm, in Sachsen mit der Fertigung astronomischer Optiken seinen Lebensunterhalt zu verdienen und auch Angestellte zu beschäftigen. In den 20er Jahren fertigte er weiter astronomische Beobachtungsinstrumente und erhielt auf dem Gebiet der Astro-Optik drei Patente zuerkannt. Während der Zeit der Weltwirtschaftskrise, die ihm fast die Existenz raubte, wechselte Schmidt häufig den Arbeits- und Wohnort, bis er 1927 nach Hamburg ging. Dort wurde er zu einem wichtigen Mitglied der Sternwarte. Er nahm an zwei Sonnenfinsternisexpeditionen teil, arbeitete in den optischen Werkstätten und verfolgte seine Idee vom fehlerfreien Fernrohr weiter. Das Ergebnis war das Konzept des Schmidt-Spiegels, das 1930 realisiert wurde.

Die Beschreibung dieses leistungsfähigen optischen Systems ist der Autorin 50 Seiten ihres Buches wert. Das ist aber auch verständlich, handelt es sich hierbei doch um die Krönung der Tätigkeit Schmidts. Die zwei weiteren großen Projekte der 30er, das Umschleifen des Grossen Refraktors und die Konstruktion eines Doppelreflektors nehmen ebenfalls breiten Raum ein. Am Ende des Buches steht auch ein Kapitel zur Arbeitsweise und Ausrüstung mit der es Schmidt gelang, seine Optiken herzustellen. Gerade dieser Teil könnte für viele selbst konstruierende Amateure von großem Interesse sein.

Dieses Buch stellt ausführlich, anregend und genau das bewegte Leben eines Menschen dar, dem die Astronomie ein Jahrhundertprojekt verdankt, das nicht nur ein scharfes Bild des Himmels bringt, sondern auch die Tür für ganz neue Forschungsbereiche öffnete.